Stefan Bannert Architekten | Wettbewerb – Neue Ortsmitte mit Veranstaltungssaal
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Bürgerhaus am Platz

 

Wettbewerb „Neue Ortsmitte mit Veranstaltungssaal“ Markt Wertach (Allgäu),
2018

 

Unser vorrangiges Ziel war es, die neue Ortsmitte durch ein Gebäude mit einem angebundenen Platz zu bereichern, das den öffentlichen Raum ganztägig mit Leben füllt. Ein an den Platz orientierter, lediglich zeitweise genutzter Saal mit ausschließlich dafür vorgesehenem Foyer wäre hier kontraproduktiv. Als Konsequenz daraus haben wir den Saal, der nicht dauernd bespielt wird, ganz bewusst im OG platziert und das zugehörige Foyer auf EG und OG erweitert. Dies ermöglicht eine ganztägige Bespielung des im EG erlebbaren Foyerbereiches mit zusätzlichen, vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Positive Folgen dieser Überlegungen sind zudem, dass durch die Stapelung der Funktionen ein komprimierter Baukörper entsteht, der mehr Freifläche für die Platzgestaltung lässt. In unseren Augen funktioniert auch die interne Erschließung mit kurzen Wegen und die Verknüpfung der einzelnen Funktionsvarianten einfach besser.

Architektonisch ist war uns wichtig, das Gebäude sehr kompakt zu gestalten und ganz klar in seine Hauptfunktionen zu gliedern. Die Gebäudestruktur lässt sich auf diese Weise in klare Einheiten aufteilen, welche innen wie außen die Funktionen ablesen lassen. Die kompakte Bauweise ermöglicht zudem geringe Raumtiefen und erhöht dadurch den Lichteinfall in den Räumen.

Das Gebäude untergliedert sich in 3 Teile: Das große, zentrale Foyer bildet zusammen mit dem Saal im OG das Herzstück des Gebäudes. Im Süden dockt der Gebäudeteil mit der Gastronomie an (Gastwirtschaft im EG, Catering für den Saal im OG). Der nördliche Gebäudeteil beherbergt das Künstler- und Bühnenhaus. Alle drei Teile sind gut miteinander verknüpft, können aber auch separat erschlossen und genutzt werden.

Das geräumige Foyer – durch die großflächige Verglasung direkt vom Marktplatz einsehbar – lädt den Besucher ins Haus ein. Das Foyer ist ein zentraler Punkt, der alles gleichermaßen gut erschließt: Von hier aus geht es in den Saal, in die Gastwirtschaft, in den Einspielraum sowie in den andienenden Teil der Gastronomie bzw. des Caterings. Als weitere Besonderheit des großen Foyers sehen wir die Nutzungsmöglichkeiten weit über die eigentliche Bestimmung hinaus, z.B. für Ausstellungen, als Erweiterung der Gastwirtschaft, oder als Veranstaltungsfläche. Auch der Einspielraum – gut sichtbar und zum Marktplatz gelegen – kann als multifunktionaler Raum für verschiedenste Nutzungen angeboten werden. Wir denken z.B. an Vorträge, Kursveranstaltungen, Vereinsversammlungen, Yoga, kleinere Musikveranstaltungen, etc.

Städtebauliches Konzept
Das Grundstück liegt an der Ecke Marktstraße/Kramerweg. Parallel zur Marktstraße steigt die gegenüberliegende Topografie zur Kirche hinauf Richtung Westen stark an, so dass die Dächerlandschaft von dieser Seite des Ortes von oben gut zu überblicken ist. Diese scheint mit überwiegend Ost-West ständigen Giebeln den Hang regelrecht hinunter zu fließen. Durch unseren stattlichen, quer dazu gesetzten Baukörper und die präzise Überhöhung des etwas steileren Daches wird die öffentliche, gemeinnützige Funktion des Gebäudes von außen gut ablesbar. Der neu geschaffene Platz mit dem zurückgesetzten Baukörper fängt die Situation subtil, aber deutlich ab. Das neue Gebäude bildet hier förmlich das Rückgrat für die neue Ortsmitte.

Architektonisches Konzept
Die Struktur des Baukörpers lehnt sich an den Gebäudetypus einer Hochtenne an. Auf einem massiven Erdgeschoss steht eine hölzerne Tragwerksstruktur, welche auf sehr wirtschaftliche Weise große Räume mit großen Spannweiten realisieren lässt. Auf den Giebelseiten befinden sich große Öffnungen ins OG, in unserem Fall eine Einbringöffnung zum Bühnenbereich im Norden und eine große Fensterfassade im Süden.
Die tragende Struktur des UG und EG ist in Massivbauweise konzipiert, das Tragwerk des OG sowie alle Außenfassaden in Holzbauweise. Die partiell angebrachten La mellenbänder vor den Fenstern dienen zum einen als feststehender Sonnenschutz zur West- und Ostseite, zum anderen unterstreichen sie die klare Gebäudeform, welche sich an die ländlichen Funktionsbauten anlehnt. Ein hoher Grad an zimmermannsmäßiger Vorfertigung verkürzt hier die Bauzeit.
Die klare Struktur des Baukörpers, solide und zugleich einfache Details sowie eine hochgedämmte Außenfassade in Holzbauweise legen die Grundsteine für eine energetisch optimale, nachhaltige und wirtschaftliche Bauweise.

Freiraumplanerisches Konzept
Mit dem Neubau in der neuen Ortsmitte Wertach besteht die Chance, den innerörtlichen Bereich zwischen Marktstraße und Kramerweg als neue Ortsmitte auszubilden. Der dem Gebäude vorgelagerte Platz dient als Außenbereich bei Veranstaltungen, aber auch als Fläche für Feste, Märkte oder einfach als Treffpunkt. Die Platzfläche selbst sowie die angrenzenden Verkehrsflächen werden als eine großzügige Pflasterfläche mit Granitpflaster ausgebildet. Die Platzfläche umspielt den Neubau und stellt die Verbindung zur Umgebung her.
Der Biergarten unter den alten Kastanien bildet den südlichen Abschluss. Mittelpunkt des Marktplatzes ist der Maibaum, welcher hier von weitem sichtbar ist. Der bodenbündige Wasserlauf belebt die Fläche und erinnert als abstrakter Mühlkanal an die historische Rolle der Mühlen im Ort. Gleichzeitig bildet er einen optischen, akustischen und haptischen Anziehungspunkt. Die Pkw-Stellplätze sind kompakt im Norden der Platzfläche angeordnet. Der Baumhain bildet die nördliche Raumkante. Lange Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

Landschaftsarchitekt:
fischer heumann
landschaftsarchitekten
PartG mbB AG München